ZEW-Barometer rutscht ins Minus: Experten befürchten Konjunktureinbruch in Deutschland

Der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China nimmt den Finanzexperten in Deutschland die Zuversicht auf weiteres Wachstum. Die im sogenannten Konjunktur-Barometer abgebildeten Erwartungen für das kommende halbe Jahr fielen im Mai überraschend um 5,2 auf minus 2,1 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung mitteilte.

Zuvor war es sechs Monate in Folge gestiegen. Ökonomen hatten eine weitere Zunahme auf 5,0 Zähler erwartet. Die Umfrage unter 186 Analysten und Anlegern lieferte damit deutlich schlechtere Werte als im langfristigen Durchschnitt von plus 22,1 Punkten. Dagegen wurde die aktuelle Lage erstmals seit Monaten wieder besser bewertet.

Die Umfrage zeige, dass die Experten für die nächsten sechs Monate „weiterhin von einem verhaltenen Wirtschaftswachstum in Deutschland ausgehen“, sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. „Die jüngste Eskalation des Handelskonflikts zwischen den Vereinigten Staaten und China erhöht erneut die Unsicherheit hinsichtlich der deutschen Exporte und damit eines zentralen Faktors für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts.“

Das sehen Banken-Ökonomen ähnlich. „Die jüngsten Zollkonflikte verderben die ohnehin schlechte Stimmung im Unternehmenssektor“, konstatierte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. „Damit zeigt sich einmal mehr, dass vor allem Deutschland der Leidtragende der Handelsstreitigkeiten ist.“

Die USA hatten am Freitag ihre Zölle auf chinesische Importwaren im Wert von 200 Milliarden Dollar erhöht. Am Montag kündigte dann die Volksrepublik an, ihrerseits ab Juni zusätzliche Abgaben auf amerikanische Waren im Volumen von 60 Milliarden Dollar zu erheben. Beide Länder sind wichtige Exportmärkte für die deutschen Unternehmen. „Um die deutsche Konjunktur ist es im laufenden Jahr nicht gut bestellt“, betonte Gitzel.

Bundesregierung und EU-Kommission sagen für Deutschland im laufenden Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent voraus, nachdem es 2018 noch zu 1,4 Prozent gereicht hatte.

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