Wirtschaftliche Interessen: US-Regierung weicht Schutz bedrohter Tierarten auf

Lohnt es sich, einen Lebensraum zu schützen, wenn im Boden kostbare Rohstoffe liegen? Solche Erwägungen werden in den USA zukünftig eine größere Rolle spielen. Denn das historische Naturschutzgesetz, das bisher bei der Beantwortung helfen konnte, wird es in seiner bisherigen Form bald nicht mehr geben. Die US-Regierung von Präsident Donald Trump hat die Reglung abgeschwächt.

Die am Montag vorgestellten Änderungen des Gesetzes für gefährdete Arten aus dem Jahr 1973 sehen unter anderem vor, künftig bedrohten und gefährdeten Arten nicht mehr automatisch den gleichen Schutzstatus zu gewähren.

Außerdem strich die Regierung Formulierungen aus dem Gesetz, nach denen wirtschaftliche Aspekte bei der Einstufung einer Art als bedrohlich keine Rolle spielen sollten. Die am Montag veröffentlichten Änderungen sollen im September in Kraft treten.

Innenminister David Bernhardt bezeichnete die Änderungen als „Verbesserungen“. Sie würden für ein „effiziente“ Umsetzung des Gesetzes sorgen, erklärte der frühere Öl-Lobbyist. Er hatte in einem Meinungsbeitrag für die „Washington Post“ im vergangenen Jahr geschrieben, dass das Gesetz in seiner bestehenden Form eine „unnötige regulierende Belastung“ für Unternehmen sei.

Handelsministers Wilbur Ross erklärte, die Novellen entsprächen der Vorgabe des Präsidenten, die Regulierungen im Umweltbereich zu lockern und zugleich den Schutz bedrohter Arten zu gewährleisten.

Umweltschützer befürchten dagegen die schrittweise Zerstörung des Lebensraums gefährdeter und bedrohter Arten. Die Nichtregierungsorganisation Earthjustice bezeichnete die Änderungen als „Geschenk an die Industrie“ und kündigte eine Klage an. Die Organisation Sierra Club warf der Regierung vor, wirtschaftliche Interessen über wissenschaftliche Erkenntnisse zu stellen.

Die Aktivisten befürchten, dass zukünftig der Abbau von Rohstoffen, etwa Holz, Gas oder Öl, in besonders sensiblen Arealen erleichtert werden könnte. Trumps Regierung hatte bereits zahlreiche weitere Umweltschutzvorschriften zurückgeschraubt.

Regelung geht auf einen anderen unbeliebten Präsidenten zurück

Das Gesetz mit dem Titel „Endangered Species Act“ war 1973 von dem damaligen republikanischen Präsidenten Richard Nixon unterzeichnet worden. Es ermöglichte etwa die Erholung der Bestände von Wölfen und Weißkopfseeadlern.

Viele republikanische Politiker stören sich seit längerem daran, weil es aus ihrer Sicht zu viele Regulierungen enthält. Umweltschützer feiern es dagegen als Erfolg, weil es das Aussterben etlicher Arten verhindert habe. Derzeit listet die Behörde „Fish and Wildlife Service“ mehr als 2000 Tier- und Pflanzenarten in den USA als bedroht oder gefährdet auf.