Verwirrung über Absage an US-Vizepräsident: Erdogan will Pence offenbar doch treffen

Zunächst hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan es offenbar abgelehnt, den US-Vizepräsidenten Mike Pence und US-Außenminister Mike Pompeo bei deren Besuch in Ankara am Donnerstag zu treffen. „Sie werden ihren jeweiligen Gegenpart treffen. Ich werde nur sprechen, wenn Trump kommt“, sagte Erdogan am Mittwochmittag dem Fernsehsender „Sky News“.

Jetzt korrigiert sein Sprecher Fahrettin Altun via Twitter: „Er hat vor, die US-Delegation geführt vom Vize-Präsidenten zu treffen – wie er es in diesem Statement türkischen Journalisten sagt.“

Pence und Pompeo wollen sich in Ankara für eine Waffenruhe zwischen der Türkei und den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien einsetzen. Erdogan hat eine Waffenruhe bereits abgelehnt, solange die Kurdenmiliz in der von der Türkei geplanten „Sicherheitszone“ entlang der türkischen Grenze präsent sei. In der Rede vor dem Parlament wies er jede Vermittlung zurück, da sein Land sich nicht mit einer „Terrororganisation“ an einen Tisch setzen werde.

Kurz vor dem geplanten Besuch in Ankara hatte Pence am Dienstag Fotos von sich und dem US-Pastor Andrew Brunson auf Twitter gepostet. Brunson war fast zwei Jahre lang in der Türkei inhaftiert. Der Fall hatte im vergangenen Jahr eine Krise zwischen den Ländern verursacht. Erst nachdem Washington Ankara mit Sanktionen unter Druck gesetzt hatte, durfte Brunson im Herbst 2018 die Türkei verlassen. Der Tweet könnte daher nun als Botschaft an Ankara gedeutet werden.

Die USA hatten nach dem türkischen Einmarsch in Nordsyrien einen sofortigen Stopp der Militäroperation gefordert. Präsident Donald Trump habe mit Erdogan gesprochen und einen Waffenstillstand verlangt, sagte Pence am Montag. Zudem versucht die Trump-Regierung, mit Strafzöllen und Sanktionen Druck auf die Regierung in Ankara auszuüben.

Erdogan schließt Verhandlungen mit YPG aus

Nach Angaben des Weißen Hauses war bislang ein bilaterales Treffen von Pence mit Erdogan geplant. Was die Äußerung des türkischen Präsidenten für die Vermittlungsbemühungen bedeutet, war zunächst unklar. Erdogan hatte jedoch bereits zuvor deutlich gemacht, dass er Verhandlungen mit der kurdischen YPG ausschließe.

Die Türkei hatte am vergangenen Mittwoch mit einer Offensive in Nordsyrien begonnen. Die Militäroperation zielt auf die YPG ab. Ankara betrachtet die Kurdenmiliz als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation.

Wegen der Offensive hat auch Russlands Präsident Wladimir Putin Erdogan zu Gesprächen eingeladen. Russischen Angaben zufolge sollen sich beide in den kommenden Tagen treffen. Darauf hätten sich die beiden Politiker in einem Telefonat verständigt, teilte Putins Büro am späten Dienstagabend mit.