Unglücksmaschine: Diese Airlines haben auf Boeings 737 Max gesetzt

Die Liste ist lang: Fluglinien weltweit setzen auf das Boeing-Modell 737 Max. Insgesamt 5012 Bestellungen verzeichnet der US-Hersteller bis Ende Februar, davon wurden erst 376 ausgeliefert.

Doch weitere Flugzeuge des Typs dürften so bald kaum in Betrieb genommen werden. Am Wochenende stürzte eine Boeing 737 Max 8 wenige Minuten nach dem Start in Äthiopien ab – das zweite Unglück mit dem Flugzeugtyp innerhalb von fünf Monaten.

Nun stellt sich für Airlines in aller Welt die Frage, wie sie auf die Doppelkatastrophe reagieren, zumal die Ursache des zweiten Unglücks noch ungeklärt ist.

Dabei stehen einige Airlines vor größeren Problemen als andere. Besonders amerikanische und asiatische Fluggesellschaften haben stark auf das neue Boeing-Modell gesetzt, aber auch in Europa gibt es mit TUI, Ryanair oder Norwegian einige Großkunden, die nun auch kurzfristig reagieren müssen.

Zunächst schienen viele Unternehmen am Betrieb der 737 Max festhalten zu wollen, was auch an den hohen investierten Summen liegen dürfte. Doch eine wachsende Zahl von Staaten verbietet vorerst den Betrieb des Flugzeugs, auch Deutschland. Vor diesem Hintergrund änderte im Laufe des Dienstags mehr als eine Fluglinie ihre Position.

So teilte der weltgrößte Reisekonzern TUI zunächst mit, die 737 Max habe sich „als äußerst zuverlässig erwiesen“. Zur TUI- Flotte gehören bereits 15 Jets des Typs, die in Großbritannien und den Benelux-Staaten im Einsatz sind. Die deutsche Tochter Tuifly soll ihre erste Maschine der Reihe erst in einigen Wochen bekommen. Am Nachmittag dann die Kehrtwende: Nachdem Großbritannien Flüge der 737 Max im britischen Luftraum untersagte, stoppte auch TUI den Betrieb.

Normalbetrieb meldete zunächst auch noch die Fluglinie Norwegian Air Shuttle. 18 Maschinen sind dort bereits im Einsatz und fliegen hauptsächlich von Irland aus die US-Ostküste an, weitere 92 wurden bestellt. Ein Software-Update sei wie vorgeschrieben nach dem Absturz einer indonesischen Lion-Air-Maschine im Oktober aufgespielt und das Training entsprechend aktualisiert worden, hieß es auf Anfrage des SPIEGEL.

Am Dienstagnachmittag verkündete dann jedoch auch die norwegische Billigfluglinie, dass ihre Maschinen bis auf Weiteres am Boden bleiben. Damit folge man den Empfehlungen europäischer Luftfahrtbehörden. Der Aktienkurs von Norwegian gab daraufhin deutlich nach.

Ein Bier zum Modellstart

Icelandair hatte bislang drei Maschinen in Betrieb und zum Start des Modells sogar ein eigenes „737-Max-Bier“ gebraut. Die isländische Fluggesellschaft teilte zunächst mit, sie wolle das Modell weiter fliegen, „basierend auf den uns vorliegenden Informationen, unseren gründlichen Sicherheitsprozessen sowie dem Training und der Erfahrung unserer Crew“. Kurz darauf folgte auch hier die Mitteilung, die Boeings sollten doch am Boden bleiben. Der Flugbetrieb werde dadurch vorerst nicht beeinträchtigt, da die Flotte insgesamt 33 Maschinen umfasse.

Europas größter Billigflieger Ryanair hat zwar 135 Boeing Max bestellt. Bislang ist bei der irischen Fluglinie aber nur das Vorgängermodell im Einsatz.

Auch Turkish Airlines rückte lange nicht von dem Modell ab. „Wir beobachten alle Entwicklungen genau“, schrieb Unternehmenschef Bilal Eksi auf Twitter. Am Abend kam auch hier die Kehrtwende: Die türkische Airline teilte mit, den Betrieb ihrer zwölf Flugzeuge des Typs 737 Max bis auf Weiteres einzustellen.

Unterstützung aus Nordamerika

Bereits weiter verbreitet ist die 737 Max auf Boeings Heimatmarkt USA. Hier hat alleine Southwest Airlines 280 Jets geordert, von denen bis Ende Januar 31 ausgeliefert wurden. American Airlines hat 100 Flugzeuge bestellt und bislang 24 davon erhalten.

Beide Unternehmen beteuerten am Dienstag, sie hätten volles Vertrauen in das Flugzeug. Unterstützung kam aus dem hohen Norden: Air Canada hat derzeit 24 Maschinen in Betrieb. „Diese Flugzeuge haben aus der Perspektive von Sicherheit, Zuverlässigkeit und Kundenzufriedenheit exzellent abgeschnitten“, hieß es in einem Statement.

Während die US-Behörden bislang auf ein Flugverbot für die Maschinen verzichten, wurden sie auch in China aus dem Verkehr gezogen. Das trifft etwa China Southern Airlines, wo man 50 Maschinen bestellte, von denen knapp ein Drittel bereits ausgeliefert wurde. Air China (15 Maschinen) und China Eastern Airlines (14 Maschinen) gehören ebenfalls zu den Kunden.

Und auch nach Indien wurden zahlreiche Boeing 737 Max verkauft. Allein der Billigflieger Spice Jet hat bislang zwölf davon in Betrieb, woran sich bislang nach Unternehmensangaben ebensowenig geändert hat wie an der Bestellung von 155 weiteren Maschinen.

Der Konkurrent Jet Airways hat nach Boeing-Angaben 125 Flugzeuge geordert. Die Auslieferung von fünf geleasten Maschinen soll kürzlich jedoch an Finanzierungsschwierigkeiten gescheitert sein – worüber man nun möglicherweise eher erleichtert ist.

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