Sechs Monate nach der Legalisierung: Verkauf von Cannabis kommt in Kanada nur schleppend voran

Ein halbes Jahr nach der Legalisierung von Cannabis in Kanada zeigt sich: Der Verkauf der Droge läuft schlechter als erwartet und fristet ein Nischendasein. Laut dem Analysehaus Arcview Market Research haben Cannabisprodukte in Kanada vom Beginn der Legalisierung bis zum Jahresende 2018 nur einen Umsatz von 112,5 Millionen US-Dollar erzielt. Unternehmen der Branche hatten mit dem Vierfachen gerechnet, wie das „Wall Street Journal“ berichtet.

Einschließlich medizinischem Marihuana betrugen die Ausgaben für die Droge 569 Millionen US-Dollar, deutlich weniger als die 761 Millionen US-Dollar, die das kanadische Statistikbundesamt für das vierte Quartal des vergangenen Jahres erwartet hatte.

Grund für das maue Geschäft sind Lieferengpässe und der nach wie vor florierende Schwarzmarkt. In Toronto werden etwa in einer Handelskette namens Ameri 3,5 Gramm einer Marihuanasorte für rund 40 kanadische Dollar verkauft. „Schwarzmarkthändler verkaufen die gleiche Menge für ungefähr die Hälfte des Preises“, sagte ein Verkäufer des Geschäfts dem „Wall Street Journal“.

Das kanadische Parlament hatte im Juni ein Gesetz gebilligt, das den Konsum und die Herstellung der Droge erlaubt, nicht nur zu medizinischen Zwecken, sondern auch zum privaten Gebrauch. Kanadischen Staatsbürgern ab 18 Jahren – in manchen Bundesstaaten liegt die Altersgrenze bei 19 Jahren – ist es erlaubt, per Bestellung oder in autorisierten Geschäften ein Gramm Haschisch für etwa zehn kanadische Dollar (4,30 Euro) zu kaufen. Der persönliche Besitz ist auf 30 Gramm beschränkt.

Kanada ist damit weltweit das zweite Land nach Uruguay, das Cannabis vollständig legalisiert hat. Schon jetzt gehört es zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von Marihuana weltweit.

Produzenten haben Schwierigkeiten genügend Pflanzen anzubauen

Obwohl die kanadische Bundesregierung für die Produktion klare Maßstäbe voraussetzt, überlässt sie den Provinzen die Entscheidung, wie Cannabis innerhalb ihrer Landesgrenzen verteilt und verkauft wird. Dies hat zu einem Flickenteppich an Vorschriften im ganzen Land geführt und den Verkauf in einigen der größten Provinzen behindert, sagen Brancheninsider.

„Kanada hat sehr strenge Vorschriften. Dazu gehört das Testen der Produktionsanlagen auf Pestizide oder Schwermetalle“, sagt Daniel Pearlstein, Chef von Canopy Rivers, dem Wagniskapitalgeber von Canopy Growth, dem größten kanadischen Mariuhanahersteller. Diese Vorschriften hätten das verfügbare Angebot begrenzt. „Die Produzenten haben Schwierigkeiten, genügend Pflanzen anzubauen, die den Vorschriften entsprechen“, sagt Pearlstein.

Hinzu kommt: Kanada erlaubt im Gegensatz zum US-Bundesstaat Kalifornien Einzelhändlern derzeit nicht, mit Cannabis versetzte essbare Produkte wie Gummibärchen oder Schokolade zu verkaufen, wodurch das Angebot auf rauchbare Produkte beschränkt ist. Erst, wenn sich das ändert, könnte der Markt richtig in Schwung kommen, glauben Experten. Das Analysehaus BDS erwartet bis 2024 einen Einzelhandelsumsatz von 4,8 Milliarden US-Dollar, wenn die kanadische Regierung den Markteintritt von Lebensmitteln noch in diesem Jahr zulässt.

Darauf setzen auch die Investoren. Ihre Hoffnungen auf boomende Umsätze sind trotz des schlechten Handelsstarts ungebremst: Die Aktienkurse der größten börsennotierten Cannabisunternehmen sind zuletzt stark gestiegen. Der Aktienkurs von Canopy etwa stieg an der Toronto Stock Exchange seit Jahresbeginn um rund 50 Prozent.

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