Rettung im Mittelmeer: „Lifeline“-Kapitän zu 10.000 Euro Strafe verurteilt

Für viele in Deutschland gilt der Seenotretter Claus-Peter Reisch als Held, für die maltesische Justiz ist er ein Straftäter: Der Kapitän eines Rettungsschiffes der Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline ist auf Malta zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Reisch müsse 10.000 Euro Strafe zahlen, die an lokale Hilfsorganisationen für Flüchtlinge und Menschen in Armut weitergegeben werden, wie die maltesische Nachrichtenseite „Independent“ meldet.

Claus-Peter Reisch, Kapitän des zivilen Seenotrettungsschiffs "Lifeline"

DPA

Claus-Peter Reisch, Kapitän des zivilen Seenotrettungsschiffs „Lifeline“

Der Kapitän aus dem bayerischen Landsberg am Lech hatte im Juni 2018 mit dem Schiff „Lifeline“ mehr als 230 Migranten vor der libyschen Küste aus dem Mittelmeer gerettet. Das Gericht in Valletta erklärte nun, dass er ein nicht ordnungsgemäß registriertes Boot in maltesische Gewässer gesteuert habe.

Ein Sprecher von Mission Lifeline kündigte Berufung an, weil Reisch unschuldig sei, das Urteil sei „hanebüchen“, weil klar sei, „dass das ein politisches Urteil ist, es hat nichts mit Recht zu tun“.

Nach der Rettung war das Schiff, das unter niederländischer Flagge fuhr, tagelang auf hoher See blockiert worden. Es durfte erst in Malta anlegen, nachdem mehrere EU-Staaten zugesagt hatten, die Flüchtlinge aufzunehmen.

Private Seenotretter vermuten hinter den juristischen Ermittlungen eine europaweite politische Kampagne, um die Bergung von Migranten aus Seenot zu erschweren und die privaten Rettungseinsätze zu kriminalisieren.

IOM: Mehr als 300 Tote in 2019

Seit dem Amtsantritt der populistischen Regierung in Italien vor einem Jahr sind die Häfen dort für private Retter weitestgehend geschlossen. Auch Malta weigerte sich mehrmals, Migranten von NGO-Schiffen aufzunehmen und verlangt eine gerechte Verteilung der Menschen auf alle EU-Staaten.

Seit Beginn des Jahres kamen laut der Uno-Migrationsorganisation IMO auf der zentralen Mittelmeerroute in Richtung Italien und Malta mehr als 300 Menschen ums Leben.

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