Politisches Patt im Brexit-Streit: Schotten signalisieren Unterstützung für Labour-Minderheitsregierung

Die Schottische Nationalpartei SNP will eine mögliche Labour-Minderheitsregierung nur unterstützen, wenn diese ein zweites Referendum der Schotten über eine Abspaltung vom Vereinigten Königreich zulässt. Das berichtet die „Financial Times“. Die schottischen Abgeordneten im Londoner Parlament seien bereit, Labour-Chef Jeremy Corbyn zu unterstützen, da dies die einzige Möglichkeit sei, einen Brexit ohne Vertrag garantiert zu verhindern.

Die schottische Regierungschefin und SNP-Vorsitzende Nicola Sturgeon strebt für das Jahr 2021 ein neues Referendum über die Unabhängigkeit an (Lesen Sie hier ein Porträt).

Erst vor einer Woche hatten Zehntausende Menschen in Edinburgh für die Unabhängigkeit Schottlands von Großbritannien demonstriert. Die Teilnehmer schwenkten blau-weiße schottische Flaggen, einige Demonstranten trugen Schottenrock oder spielten auf dem Dudelsack. Nach Angaben der Veranstalter nahmen rund 200.000 Menschen an der Demonstration in der schottischen Hauptstadt teil, weit mehr als erwartet.

Sturgeon erklärte auf Twitter ihre Unterstützung. Sie war nach eigenen Angaben zwar nicht persönlich, aber „im Geiste“ anwesend. An die Teilnehmer gerichtet schrieb sie: „Habt einen großartigen Tag. Und zweifelt nicht daran: Die Unabhängigkeit kommt.“

Bei einer Volksabstimmung 2014 hatten sich 55 Prozent der Teilnehmer für einen Verbleib im Vereinigten Königreich entschieden. Allerdings weisen die Befürworter der Unabhängigkeit darauf hin, dass damals noch nicht das Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der EU stattgefunden hatte. Beim Brexit-Referendum im Juni 2016 hatten sich in Schottland 62 Prozent der Teilnehmer gegen einen Austritt aus der EU ausgesprochen.