Ostsee-Pipeline: Bau von Nord Stream 2 könnte sich verzögern – und teurer werden

Der Weiterbau der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland hängt immer noch an der ausstehenden Genehmigung durch die dänischen Behörden. Die zuständige Projektgesellschaft stellt sich auf eine deutliche Verzögerung und massive Mehrkosten ein. Das teilte die Firma laut der Nachrichtenagentur Reuters mit. „Aber wir können dies nicht genau beziffern, weil die endgültigen Auswirkungen davon abhängen, wann die Genehmigung durch die verantwortlichen Behörden erteilt wird“, hieß es demnach.

Laut der ursprünglichen Planung sollte Nord Stream 2 Ende 2019 an den Start gehen. Im Mai hatte die Projektgesellschaft aber schon signalisiert, dass sich der Termin wohl ins kommende Jahr verschiebt. In einem Reuters vorliegenden Beschwerdebrief, der im April an die dänischen Behörden ging, nennt die Firma eine Verzögerung von bis zu acht Monaten und schätzt die daraus resultierenden Extrakosten auf 660 Millionen Euro. Das anfängliche Gesamtbudget lag bei 9,5 Milliarden Euro.

Etwa 70 Prozent der Gasleitung sind bereits fertiggestellt - der Rest wartet auf den Bau

Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Etwa 70 Prozent der Gasleitung sind bereits fertiggestellt – der Rest wartet auf den Bau

Bereits Ende Juni hatte das Unternehmen Nord Stream 2 den Antrag für eine Route durch dänische Hoheitsgewässer zurückgezogen, da die dänische Regierung innerhalb von zwei Jahren nicht über eine Genehmigung entschieden hatte. Übrig blieben zwei alternative Routen südlich der Insel Bornholm. Diese verlaufen aber nicht durch dänische Territorialgewässer, sondern nur durch die dänische Wirtschaftszone. Das bedeutet, dass Dänemark die Routen nur aus Umweltschutzgründen oder möglichen Einschränkungen für den Schiffsverkehr ablehnen könnte.

Da Dänemark nach zwei Jahren erst im vergangenen März die Pläne für die dritte alternative Route angefordert hatte, sprach Nord Stream 2 von einem „bewussten Versuch, die Fertigstellung des Projekts zu verzögern“. Mit ihrer Schätzung der erhöhten Kosten will die Firma Dänemark offenbar unter Druck setzen.

Kritik an Nord Stream 2

Die Ostsee-Pipeline wird durch russische und europäische Firmen unter Führung des russischen Gaskonzerns Gazprom gebaut. Beteiligt ist auch die BASF-Tochter Wintershall Dea. Mehr als 70 Prozent der Gasleitung sind bereits fertiggestellt. Mit Finnland, Schweden, Deutschland und Russland haben fast alle Länder dem Projekt zugestimmt, durch deren Gewässer die Pipeline verlaufen soll. Einzig Dänemarks Einverständnis fehlt noch.

Nord Stream 2 wird von den USA sowie einigen osteuropäischen und baltischen Staaten kritisiert. Sie fürchten, die Gasleitung könne die Abhängigkeit Mitteleuropas von russischer Energie verstärken.