Nach Absturz in Äthiopien: Trump ordnet Flugverbot für Boeing 737 Max an

Als Konsequenz aus dem Absturz in Äthiopien bleiben die Boeing-Maschinen des Typs 737 MAX 8 nun auch in den USA vorerst am Boden. US-Präsident Donald Trump kündigte am Mittwoch in Washington eine entsprechende Notverordnung an. Das vorläufige Flugverbot soll nach seinen Angaben auch für Maschinen des Typs 737 MAX 9 gelten. Die Sicherheit „des amerikanischen Volkes“ wie aller Menschen habe für seine Regierung „höchste“ Priorität.

Die Order gelte ab sofort. Die US-Luftfahrtbehörde FAA teilte mit, Ermittler hätten neue Hinweise an der Unfallstelle gesammelt und analysiert. Diese Hinweise sowie neue Satellitendaten hätten zu der Entscheidung geführt. Das Startverbot bleibe in Kraft, solange weitere Untersuchungen wie etwa die Auswertung der Flugdaten der abgestürzten Maschine liefen. Die FAA teilte außerdem mit, es werde Monate dauern, bevor die Software-Aktualisierung fertiggestellt sei. Noch ist ungewiss, wie lang das Grounding dauern solle – man hoffe, „so kurz wie möglich“.

Inzwischen hat auch Boeing selbst ein vorübergehendes Startverbot für die 737-Max-Reihe empfohlen. Dies gelte für die „gesamte weltweite Flotte“. Dabei handelt es sich um 371 Flugzeuge. „Boeing hat weiterhin volles Vertrauen in die Sicherheit des 737 Max“, teilte der Konzern mit. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme.

Am Wochenende war eine 737 Max 8 in Äthiopien aus bisher ungeklärten Gründen abgestürzt. Dabei starben 157 Menschen. Einige Monate zuvor war auch in Indonesien eine 737 Max 8 abgestürzt. Dabei kamen 189 Menschen ums Leben. Die Boeing-Aktien verloren nach der Entscheidung an der Wall Street weitere knapp zwei Prozent.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte in den vergangenen Tagen noch kein Flugverbot für Maschinen dieses Typs erlassen. Die FAA war deswegen zunehmend unter Druck geraten. Sie hatte am Dienstagabend zunächst mitgeteilt, sie sehe weiterhin keinen Anlass für ein Startverbot. Bisher hätten die Überprüfungen keine Grundlage für ein Startverbot ergeben. Auch hätten Luftfahrtbehörden anderer Länder der FAA keine Daten zur Verfügung gestellt, die Maßnahmen erforderlich machten.

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Die meisten Flugzeuge der Boeing-737-Max-Reihe in den USA hat Southwest Airlines im Einsatz, die Fluggesellschaft verfügt über 34 Boeing 737 Max 8. American Airlines – die größte US-Fluggesellschaft – setzt 24 Boeing 737 Max 8 ein. Für United Airlines fliegen 14 Maschinen vom größeren Typ Boeing 737 Max 9.

Nach dem Absturz in Äthiopien hatten sich Flugbegleiter von Southwest Airlines und von American Airlines für ein Startverbot für die Boeing 737 Max 8 ausgesprochen. Die Gewerkschaft APFA, die die mehr als 27.000 Flugbegleiter von American Airlines vertritt, und die Gewerkschaft TWU, in der 17.000 Flugbegleiter von Southwest Airlines organisiert sind, forderten einen entsprechenden Schritt.

Am Mittwoch hatten mit Kanada und der Ukraine weitere Länder ein Start- und Überflugverbot für Maschinen der 737-Max-Reihe des Herstellers Boeing erlassen. Sie folgten damit den EU-Staaten, Australien und weiten Teilen Asiens, wo die Luftfahrtbehörden entsprechende Flugverbote verhängt hatten.

Norwegian will Schadensersatz

Mit dem Billigflieger Norwegian Air hatte die erste Fluggesellschaft Schadensersatzansprüche angekündigt. Die Airline, die 18 der Maschinen besitzt, werde Boeing „die komplette Rechnung schicken“, sagte ein Sprecher dem Wirtschaftsportal „e24.no.“ „Norwegian darf nicht wirtschaftlich bestraft werden, weil ein komplett neues Flugzeug nicht fliegen kann“, sagte der Sprecher weiter.

Der weltgrößte Reisekonzern Tui bezifferte den Flugstopp seiner Flotte vom Typ Boeing 737 Max auf rund drei Millionen Euro pro Woche. Betroffen seien alle 15 Maschinen, sagte ein Tui-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ über die zusätzlichen Kosten berichtet.

Zahlreiche Länder sperren den Luftraum

Seit Dienstagabend ist der Luftraum für die Maschine in zahlreichen Ländern gesperrt, darunter die 32 Mitgliedsländer der Europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA, zu denen auch Deutschland gehört. Auch die Türkei, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait, Australien, Neuseeland, Vietnam, Singapur und Malaysia verbannten die Boeing 737 Max aus dem Luftraum, in Afrika tat dies Äquatorialguinea. Namibia verbot Starts und Landungen auf seinen Flughäfen, lässt den Überflug aber weiter zu.

In den für Boeing wichtigen Märkten China und Indonesien dürfen heimische Airlines die 737 Max 8 schon seit Montag nicht mehr einsetzen. Rund ein Dutzend chinesische Fluggesellschaften besitzen 76 Maschinen aus der 737-Max-Familie. Auch Oman, Südkorea, die Mongolei und Kasachstan verboten Flüge mit der Boeing. Indien verbot zwei seiner Fluggesellschaften den Einsatz der Maschine.

Darüber hinaus setzen zahlreiche Fluggesellschaften die Maschine vorerst nicht ein – allen voran Ethiopian Airlines. Auch TUIfly, flyDubai, LOT aus Polen, Icelandair, Turkish Airlines, die südafrikanische Comair, die Cayman Airways, die brasilianische Gol Airlines, Aerolineas Argentinas und Aeroméxico lassen die 737 Max 8 vorerst nicht mehr starten. Der Billigflieger Norwegian Air Shuttle lässt seine 18 Flugzeuge des Typs ebenfalls bis auf Weiteres am Boden und kündigte als erste Airline Schadenersatzforderungen an.