Mehrheit der Bürger dafür: Ärzte fordern umfassendes Werbeverbot fürs Rauchen

Die Ärzte in Deutschland dringen zum Schutz der Gesundheit auf umfassende Werbeverbote fürs Rauchen. „Die langwierige Diskussion um die Plakatwerbung ist trostlos“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt.

„Es ist unverständlich, dass wir das Werbeverbot als letztes Land in der EU immer noch nicht vollständig durchgesetzt haben.“ Die Ärzteschaft sei ganz klar für ein generelles Tabakwerbeverbot, und zwar auch für elektronische Zigaretten. „Da kann man der Industrie nicht entgegenkommen. Rauchen ist schädlich, Punkt.“

Deutschland ist das einzige Land in der EU, das es Tabakkonzernen noch erlaubt, ihre Produkte großflächig auf Plakaten und im Kino zu bewerben. Dabei hat sich der Bundestag schon vor 15 Jahren gegenüber der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu verpflichtet, bis spätestens 2010 ein „umfassendes Verbot aller Formen von Tabakwerbung“ zu erlassen. Bislang vergebens.

57 Prozent der Deutschen unterstützen ein vollständiges Werbeverbot

Die Große Koalition verhandelt seit Monaten über einen neuen Anlauf für Werbeverbote, nachdem die Union generellen Widerstand dagegen aufgegeben hat. Dabei geht es darum, bestehende Beschränkungen auf Plakatwerbung und Kinos auszuweiten. Im Gespräch ist, dass sie nicht nur für klassische Tabakprodukte greifen sollen, sondern auch für E-Zigaretten. Die SPD will dies durchsetzen, dafür macht sich auch die neue Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) stark.

Reinhardt sagte: „Jeder weiß, dass vor allem Jugendliche anfällig sind für Klischeebilder der Werbung. Nicht alles, was legal ist, muss beworben werden.“ Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich im Juni für ein Werbeverbot ausgesprochen und „eine Haltung“ dazu bis Jahresende in Aussicht gestellt. Im Gespräch sind inzwischen ein weitgehendes Außenwerbeverbot ab Anfang 2022 und ein Verbot bei Kinofilmen für Jugendliche ab Anfang 2021.

Verboten ist Tabakwerbung etwa schon in Radio und Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften. In der vorigen Wahlperiode war ein Anlauf zur Ausweitung gescheitert. Die Zigarettenbranche argumentiert unter anderem, ein vollständiges Verbot wäre ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Werbefreiheit. Maßgebend für den Rauchbeginn von Minderjährigen sei das Rauchverhalten in Freundeskreis und Familie.

57 Prozent der Bundesbürger unterstützen ein vollständiges Werbeverbot für elektrische Zigaretten und Tabakerhitzer – das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Universität Düsseldorf aus dem September hervor. Nur 11 Prozent wollen demnach, dass die Produkte weiter beworben werden dürfen.

In der Debatte über den Umgang mit illegalen Drogen lehnte der Ärztepräsident eine Freigabe von Cannabis ab. Er sei „definitiv gegen eine Liberalisierung“, sagte Reinhardt. „Das ist eine Droge, die ein Suchtpotenzial hat.“ Es gebe auch Forschungsbelege dafür, dass regelmäßiger Konsum vor Abschluss der Hirnreifung zu erheblichen Beeinträchtigungen wie Konzentrationsstörungen führe. „Es gibt keinen Grund, noch eine weitere Droge zuzulassen.“

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Reinhardt warb für das Engagement von Ärzten bei Behandlungen mit Heroin-Ersatzstoffen (Substitution). Die Aufgabe sei nicht immer einfach. Rahmenbedingungen würden teils schwieriger, ärztlicher Nachwuchs fehle. „Ich halte es aber für sehr wichtig und notwendig, Kollegen weiter für die Substitutionsbehandlung zu motivieren“, sagte der Ärztepräsident. „Das ist ein Thema, um das wir uns kümmern müssen.“ Die Drogenbeauftragte Ludwig hatte dazu aufgerufen, auch die „nächste Generation der Ärzteschaft“ für solche Angebote zu gewinnen.