Hauptversammlung: VW stellt weitere Werke für Batteriezellen in Aussicht

Milliardenkosten für „Dieselgate“, Zigtausende Kundenklagen vor Gericht, Anklagen und Untersuchungen gegen ehemalige Vorstände – das sind nur einige der Schlagzeilen, die den weltgrößten Autobauer Volkswagen auch mehr als drei Jahre nach dem Auffliegen der Dieselmanipulationen im Griff halten. Aktionäre sparten daher auf der Hauptversammlung in Berlin am Dienstag nicht mit Kritik – auch wenn der Konzern – zumindest was die Geschäftszahlen betrifft – noch vergleichsweise gut dasteht.

„Volkswagen ist weiter getrieben durch die Justiz“, kritisierte Fondsmanager Ingo Speich von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka, die auch Musterklägerin im Anlegerverfahren um gesetzwidrige Zurückhaltung von Information gegenüber dem Kapitalmarkt ist. Zahlreiche weitere Anleger kritisierten unter anderem die Besetzung des Aufsichtsrats und die in ihren Augen zu geringen Dividendenaufschläge für die Vorzugsaktionäre, die im Gegenzug für den Verzicht auf ihr Stimmrecht mehr Ausschüttung sehen wollen.

Allerdings ist die Macht im Konzern klar verteilt. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch halten mehr als die Hälfte der Stimmrechte, das Land Niedersachsen weitere 20 Prozent. Die im Dax notierten Vorzugsaktien haben kein Stimmrecht. Mehr als eine abermalige Bekräftigung der Entrüstung haben Vorstand und Aufsichtsrat deswegen kaum zu befürchten.

Abschied von Randbereichen

Vorstandschef Herbert Diess richtete denn auch in seiner Auftaktrede den Blick beinahe unbeirrt nach vorn. Das Unternehmen kämpfe an einigen Stellen noch mit schwerfälligen Strukturen, komplexen Prozessen und hohen Kosten, sagte er. „Hier gibt es viel zu tun. Großen Ballast können wir uns auf Dauer nicht leisten.“ Deshalb mache er persönlich Tempo bei der Transformation des Unternehmens in einen Anbieter von Elektromobilität, selbstfahrenden Autos und neuen Mobilitätsdiensten. Auf absehbare Zeit gebe es keine Alternative zum batterieelektrischen Antrieb, sagte er.

Am Abend vor der Aktionärsversammlung hatte die Unternehmensführung bereits ein Paket an Maßnahmen bekanntgegeben: der milliardenschwere Einstieg in die Batteriezellenfertigung in Salzgitter und der nun doch recht zügig in Aussicht gestellte Börsengang der Lkw- und Bustochter Traton. Auch was die Zukunft des Maschinenbauers Renk sowie des Großmotoren- und Turbinenbauers MAN Energy Solutions unter dem Konzerndach betrifft, kam der Vorstand den Anteilseignern entgegen. „Wir überprüfen, ob wir noch der beste Eigentümer für die unterschiedlichen Geschäfte sind“, sagte Diess.

In der Vergangenheit waren Verkaufspläne immer wieder an Widerständen von Interessengruppen im Konzern gescheitert. Betriebsratschef Bernd Osterloh machte zur Bedingung, dass Verschlechterungen für die Belegschaft ausgeschlossen werden müssten. Doch die Arbeitnehmerseite kann nun auf neue Arbeitsplätze in der Batteriezellfertigung hoffen. Zunächst soll Ende 2022 oder Anfang 2023 in Salzgitter die Zellfertigung mit 700 Mitarbeitern und einer Kapazität von mehr als zehn Gigawattstunden starten, sagte VW-Einkaufschef Stefan Sommer.

Weitere Batteriewerke in Deutschland denkbar

Dabei soll es allerdings keineswegs bleiben. Im Jahr 2025 benötige Volkswagen Batterien mit einer Kapazität von insgesamt 150 Gigawattstunden allein für die in Europa geplante Produktion, sagte Sommer. Davon sei längst noch nicht alles vergeben. „Ich gehe davon aus, dass man die in Deutschland ansässige Produktion verdoppeln kann, aber die Details sind noch nicht ausgearbeitet.“

„Salzgitter ist ein Standort, wo wir schon heute etwa 200 Forscher und Entwickler mit dem Thema Batteriezelle beschäftigen, und ist deshalb auch ein natürlicher Standort für weitere Investitionen in eine Zellfabrik“, ergänzte Diess. VW-Aufsichtsrat und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte, das Vorhaben habe den Charakter einer Richtungsentscheidung. Er sehe die bisher getroffenen Entscheidungen als Weichenstellung, sagte Weil am Rande der Hauptversammlung. „Wenn die Verkaufszahlen so hoch gehen, wie es geplant ist, dann wird der Bedarf nach Batterien noch einmal wesentlich größer werden.“

Laut Konzern steht der Plan für die Zellfertigung noch unter Vorbehalt stimmiger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. „Das ist im Kern geklärt und deswegen habe ich an dieser Stelle keinen Zweifel“, sagte Weil jedoch. Landessubventionen gebe es keine, der energieintensive Betrieb dürfte aber von der EEG-Umlage für den Ausbau erneuerbarer Energien befreit werden.