Gescheitertes Großprojekt: Rechnungshof will Krisenmanagement bei Pkw-Maut durchleuchten

Rückforderungen in Millionenhöhe werden derzeit geprüft, der zuständige Minister muss sich immer hartnäckigere Fragen gefallen lassen – die Aufarbeitung der gescheiterten Pkw-Maut in Deutschland wird noch einige Zeit dauern. Der Bundesrechnungshof will die Abwicklung durch das Verkehrsministerium nach eigenen Angaben genau beobachten.

So sei geplant, der „Risikovorsorge und dem Krisenmanagement des Ministeriums“ nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) nachzugehen. Das erklärte Behördenpräsident Kay Scheller in einem Antwortschreiben an die Grünen im Bundestag.

Noch stehe aber etwa nicht fest, wie die eigentlich vorgesehenen Auftragnehmer nach der Kündigung der Betreiberverträge durch den Bund vorgehen werden. Der Rechnungshof werde die Entwicklung weiterverfolgen, betont Scheller in dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Der Grünen-Verkehrsexperte Stephan Kühn, der sich an die Behörde gewandt hatte, begrüßte dies. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) habe „das Risiko eines negativen EuGH-Urteils zu seinem Stammtisch-Projekt Pkw-Maut systematisch heruntergespielt und unterschätzt“.

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Scheuer steht unter Druck, weil er die Verträge zur Erhebung und Kontrolle der Maut mit den Betreibern Kapsch und CTS Eventim 2018 geschlossen hatte, bevor endgültige Rechtssicherheit bestand. Der EuGH erklärte die Maut Mitte Juni für rechtswidrig, direkt nach dem Urteil kündigte der Bund die Verträge. Daraus könnten nun finanzielle Forderungen der Firmen resultieren, auch der Bund prüft Ansprüche.

Der Bundesrechnungshof hatte das Vorhaben der Pkw-Maut schon während der laufenden politischen Debatten unter die Lupe genommen und 2015 unter anderem Zweifel an den prognostizierten Einnahmen angemeldet. Durch das EuGH-Urteil hätten sich nun „die Prüfungsschwerpunkte des Bundesrechnungshofes verändert“, schrieb Präsident Scheller.