Die Lage am Donnerstag: Weltklimarat warnt vor Hitze und Hunger

es ist ein Teufelskreis: Die Landwirtschaft beschleunigt den Klimawandel durch hohen CO2-Ausstoß – und zugleich bedrohen zunehmende Hitzewellen und steigende Temperaturen die Nahrungsmittelsicherheit. Das ist eine der Schlussfolgerungen, die der Weltklimarat heute vermutlich im bisher noch unveröffentlichten Spezialbericht „Klimawandel und Land“ der Weltöffentlichkeit präsentieren wird – er wird sich vor allem mit den Wechselwirkungen zwischen Land, Landwirtschaft, Wald und Klimawandel befassen. In einem schon im Juli vorab bekanntgewordenen Entwurf des Berichts, an dem 60 Wissenschaftler beteiligt waren, heißt es: Die Landflächen der Erde hätten sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bereits um knapp 1,5 Grad Celsius erwärmt; das ist deutlich mehr als der globale Durchschnitt insgesamt. Der beträgt bisher aufgerundet ein Grad – weil sich die Meere langsamer erwärmen als die Landmasse.

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Heft 32/2019

Wurden 346 Menschen Opfer von Gier und Größenwahn? Die Anatomie des Boeing-Skandals

Der heutige Bericht wird die Menschheit wohl mit neuen alarmierenden Erkenntnissen konfrontieren: Wassermangel, Wüstenbildung und unfruchtbarere Böden könnten zu weltweit höheren Lebensmittelpreisen führen. Zugleich verbraucht die Landwirtschaft massiv Ressourcen – insbesondere Rindfleischkonsum ist ein Problem, er trägt zur Erderwärmung bei. Der Bericht wird damit wohl einerseits nur bestätigen, was seit Jahren bekannt ist. Andererseits werden die Folgen des Klimawandels immer deutlicher und die Zeit zum Handeln knapper. Der Klimawandel ist nicht mehr nur Theorie – er ist für viele Menschen bereits ein Problem. Und er wird uns zunehmend beschäftigen.

Ich empfehle Ihnen dazu auch dieses Interview mit der Epidemiologin Sabine Gabrysch. Sie nennt den Klimawandel „die größte Bedrohung für die globale Gesundheit des 21. Jahrhunderts.“ Das Gute: Es ist zum Handeln noch nicht ganz zu spät – und immer mehr Menschen erkennen die Dringlichkeit.

Muss Fleisch teurer werden?

Christophe Gateau/ DPA

In Deutschland ist eine Diskussion über eine höhere Besteuerung von Fleisch entbrannt: „Parallel zur CO2-Steuer brauchen wir auch eine Fleischsteuer“, sagte der Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Seither haben sich Grüne und SPD-Politiker dafür ausgesprochen, Fleisch höher zu besteuern, aber auch der agrarpolitische Sprecher der Union zeigte sich gesprächsoffen. Verschiedene Modelle kursieren – von der Fleischsteuer bis zur Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch. Grünen-Parteichef Robert Habeck stellt sich allerdings klar dagegen. Auch mein Kollege Markus Dettmer argumentiert in einem Kommentar gegen Fleischsteuern: Sie würden am Leid der Tier wenig ändern, dafür arme Menschen benachteiligen. In der aktuellen Debatte geht es vor allem um das Tierwohl, allerdings ist hoher Fleischkonsum auch ein Problem für das Klima. Jeder Deutsche isst im Schnitt pro Jahr 60 Kilo Fleisch, das ist zu viel. Mit gut klingenden Schnellschüssen lassen sich komplexe Probleme nicht lösen. Es ist aber schon mal ein Anfang, dass über den hohen Fleischkonsum überhaupt gesprochen wird.

Wie Trump am Trösten scheitert

Shealah Craighead/White House/dpa

Als Donald Trump in der Nacht auf heute vom Schauplatz eines Verbrechens auf dem Weg zum nächsten ist, zwischen Dayton und El Paso, twittert er: „Schaue gerade eine Rede vom Schläfrigen Joe Biden. Soooo langweilig! Die LameStream-Medien werden mit diesem Typen klick- und quotenmäßig sterben.“ Als nächstes twittert er über die Medien, die angeblich „fake news“ verbreiten – das hatte auch der Attentäter von El Paso in seinem Manifest behauptet. Und er attackiert die Bürgermeisterin von Dayton. Trump scheitert wie erwartet an der präsidentiellen Aufgabe, die Nation in Zeiten der Trauer zu einen – beziehungsweise: Er versuchte es nicht einmal. So ziemlich alles, was man auf seiner Tour zu den Schauplätzen der Massenerschießungen des Wochenendes mitbekommt, sind: Angriffe auf seine politischen Gegner. Vor seiner Reise hatte er noch gesagt: „Ich denke, meine Rhetorik bringt Menschen zusammen“. Es wurde nicht ganz klar, ob das ein Witz sein sollte. In Dayton traf Trump sich fern der Öffentlichkeit mit Notrettern, er hielt keine Rede, er sagte nichts. Seinen Besuch in El Paso hat unsere Reporterin Anna Clauß vor Ort beobachtet.

Maduro und der Fluch des Goldes

Miraflores Palace/Handout via REUTERS

Venezuelas Machthaber Nicolas Maduro braucht die Bodenschätze der Ureinwohner seines Landes zum Überleben. Deshalb metzelt das Militär nun Indigene nieder, Hunderte sind schon nach Brasilien geflüchtet. Der Fotograf Nicoló Lanfranchi hat die Indigenen an der Grenze zwischen Venezuela und Brasilien besucht und beschreibt in Fotos und Videos ihr wenig bekanntes Schicksal – mein Kollege Marco Kasang hat mit ihm daraus eine „Visual Story“ erarbeitet, die ich Ihnen empfehlen möchte. Lateinamerika-Korrespondent Jens Glüsing hat die unglaubliche Geschichte auch als sehr lesenswerten Text aufgeschrieben.

Verlierer des Tages…

Omar HAJ KADOUR/ AFP

… ist die Zivilbevölkerung im syrischen Idlib: Sie sind die Vergessenen des Krieges, der noch längst nicht zu Ende ist. Sie werden nach einer kurzen Waffenruhe wieder brutal bombardiert, ihre Krankenhäuser, ihre Wohnhäuser, genau wie die Menschen im Osten Aleppos im Jahr 2016 – nur dass die Weltöffentlichkeit sich längst abgewandt hat. Mein Kollege Christoph Reuter, der über den syrischen Bürgerkrieg von Anfang an berichtet hat, gehört zu denen, die nach wie vor genau hinsehen: Und er beschreibt, wie die Provinz Idlib, in der die verbliebenen, zumeist islamistischen Rebellen sich zurückgezogen haben, samt ihrer Zivilisten nun zum Tauschgut im geopolitischen Geschacher zwischen den USA, Russland und der Türkei wird.

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