Deutsche Bank trennt sich von Chefjustiziar

Die Deutsche Bank und ihr Chefjustiziar Florian Drinhausen gehen getrennte Wege. Nach SPIEGEL-Informationen wird Drinhausen den Konzern in Kürze verlassen. Er hatte sein jetziges Amt seit 2018 ausgeübt. Drinhausens Verhältnis zu Rechtsvorstand Stefan Simon gilt als belastet.

Drinhausen trägt die Verantwortung für die Abarbeitung zahlreicher Skandale und Rechtsstreitigkeiten, die nach Ansicht von Kritikern nicht schnell genug vonstattenging. Zudem gilt er im persönlichen Umgang als schwierig. Mehrfach soll er in der Vergangenheit mit Vertretern von Ermittlungsbehörden aneinandergeraten sein.

Unter Drinhausens Ägide konnte die Bank allerdings auch viele juristische Baustellen schließen. Insgesamt hat der Konzern für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten einen zweistelligen Milliardenbetrag aufwenden müssen.

Aktuell wird der Deutschen Bank, wie auch zahlreichen anderen Großinstituten, von einer Klägerin aus Puerto Rico vorgeworfen, beim Handel von Unternehmensanleihen jahrelang zu hohe Preise verlangt zu haben. Entsprechende Unterlagen wurden dieser Tage bei einem Bundesgericht in Manhattan eingereicht.

Die Deutsche Bank hatte den Topjuristen Drinhausen 2014 von der Anwaltskanzlei Linklaters angeheuert, zunächst als General Counsel für die Region Europa, Nahost und Afrika. 2016 übernahm er die Verantwortung für die Governance-Strukturen der Bank. Seit 2018 ist er Chefjustiziar (General Counsel) und damit Leiter der Rechtsabteilung.

Die Deutsche Bank hat eine Anfrage zu der Personalie bislang nicht kommentiert.

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