Boeing-Unglücksmaschine: Neue Zulassung für 737 Max noch nicht in Sicht

Es soll wohl ein Zeichen der Stärke sein: Der Chef der US-Luftfahrtbehörde FAA, Stephen Dickson, kümmert sich persönlich um Boeings Problemflieger 737 Max. Dickson hat angekündigt, Nachbesserungen an dem nach zwei Abstürzen in Verruf geratenen Flugzeugtyp selbst in einem Flugsimulator zu testen. Er erwarte, dass Boeing Chart zeigen „in den kommenden Tagen“ eine Analyse der sicherheitsrelevanten Veränderungen vorlege. Doch wie lange wird das Prozedere noch dauern – und folgen die Luftfahrtbehörden weltweit dem Ergebnis der FAA?

Wann die mit Startverboten belegten 737-Max-Flugzeuge wieder abheben dürfen, ist laut Dickson weiter offen. Für eine Betriebsgenehmigung gebe es weiter keinen festen Zeitplan. „Ich kann Ihnen garantieren, dass der Flugzeugtyp nicht wieder abhebt, bis ich davon überzeugt bin, dass es die sicherste Sache da draußen ist“, sagte Dickson dem Sender CNBC.

Die Abstürze, bei denen im Oktober 2018 und im März 2019 insgesamt 346 Menschen starben, haben Boeing in eine schwere wirtschaftliche Krise geführt. Der bis dahin bestverkaufte Flugzeugtyp 737 Max ist inzwischen seit gut sechs Monaten mit Flugverboten belegt – viele Fluggesellschaften leiden darunter.

Boeing-Chef Dennis Muilenburg hofft auf eine Wiederzulassung im vierten Quartal. Viele Beobachter halten dies jedoch für zu optimistisch. Selbst wenn die FAA ihr Okay geben sollte, drohen noch Hindernisse. Piloten verlangen eine bessere Vorbereitung auf Flüge mit 737-Max-Maschinen – zumal durch die Unstimmigkeiten bei der Zulassung auch der Ruf der FAA als weltweit anerkannte Luftfahrtbehörde gelitten hat. Bisher haben sich auch Behörden im Rest der Welt an der FAA orientiert.

  • Was zum Absturz von zwei Boeing-Flugzeugen führte: Lesen Sie hier Teil I
  • Das Ungeheuer von Seattle: Lesen Sie hier Teil II
  • Wie Boeing bei der Zulassung der 737 Max trickste: Lesen Sie hier Teil III

Als Hauptursache der beiden Abstürze gelten Fehler einer Steuerungsautomatik, die per Software-Update behoben werden sollen. Ein von der Behörde selbst berufener Expertenausschuss wirft der FAA einem Medienbericht zufolge einen Mangel an Transparenz vor. Vor allem, dass die Aufsicht Sicherheitsprüfungen teilweise Boeing selbst überließ, werde kritisiert, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Insider. Die Experten würden einen besseren Datenaustausch zwischen den Ländern und ein frühzeitiges Miteinbeziehen der Aufsichtsbehörden empfehlen.

Der internationale Ausschuss war eingesetzt worden, nachdem zwei Boeing-Maschinen dieses Typs abgestürzt und ein Softwarefehler dafür verantwortlich gemacht worden war. Die Boeing-737 Max-Flugzeuge müssen seit Monaten am Boden bleiben. Seinen Abschlussbericht soll das Gremium der Zeitung zufolge in den nächsten Wochen vorlegen.