Bilanz des Energiekonzerns: RWE-Chef erwartet drastischen Jobabbau wegen Kohleausstieg

RWE erwartet durch den Kohleausstieg einen erheblichen Stellenabbau. Er gehe davon aus, dass ein Großteil der von der Kohlekommission zusätzlich bis 2022 empfohlenen Kraftwerks-Stilllegungen auf Nordrhein-Westfalen entfallen werde, teilte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz im Geschäftsbericht für 2018 mit.

Diesen Schritt hatte Schmitz bereits im Oktober nach dem Rodungsstopp im Hambacher Forst angekündigt. Nun konkretisierte der Manager: Weitere Schließungen würden Auswirkungen auf den Tagebau von RWE haben. „Und sie werden dazu führen, dass Stellen wegfallen. Ich rechne mit einem signifikanten Abbau bereits bis 2023“, wird Schmitz zitiert. Genaue Zahlen nannte er immer noch nicht.

RWE werde bei dem Stellenabbau wohl nicht allein mit den üblichen sozialverträglichen Maßnahmen auskommen, sagte der Manager in einem Video-Interview des Energiekonzerns. Er setze aber auch hier auf die Gespräche mit der Bundesregierung. RWE beschäftigt im Rheinischen Revier knapp zehntausend Mitarbeiter.

Konzern prüft Erhalt des Hambacher Forsts

RWE erwägt laut Nachrichtenagentur Reuters dennoch einen Verzicht auf die Rodung des von Umweltschützern seit Jahren verteidigten Gebiets. „Wir werden prüfen, was mit Blick auf Standsicherheit, Rekultivierung und Wasserwirtschaft möglich ist“, sagte Schmitz laut Redetext auf der Bilanzpressekonferenz in Essen. Klar sei, dass das eine Menge Geld kosten würde. Wirtschaftlich und betrieblich wäre das zwar nicht sinnvoll. „Aber Symbole haben eben ihren Preis.“ Zuvor hatte der Konzern bereits angekündigt, die kommenden eineinhalb Jahre auf die Rodung zu verzichten.

Allerdings liefen auch insgesamt, etwa bei der Kernenergie, die Geschäfte des Energiekonzerns schlechter. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) sank nach Unternehmensangaben 2018 um gut ein Viertel auf 1,5 Milliarden Euro. Das bereinigte Nettoergebnis sank von 973 Millionen auf 591 Millionen Euro. Beide Kennziffern lagen im Rahmen der Unternehmensprognose. Diese Zahlen beziehen sich dabei auf RWE alleine, die vor dem Verkauf und der Zerschlagung stehende Tochter Innogy ist darin nicht mehr enthalten. 2019 geht der Konzern von einem ähnlich hohen Gewinn aus.

So produzierte RWE 2018 weniger Strom, auch wegen des steigenden Anteils an erneuerbaren Energien. Außerdem schaltete der Konzern Block B des Kernkraftwerks Gundremmigen ab. Im vierten Quartal wurden zudem zwei Blöcke im Kohlekraftwerk Niederaußem in die Sicherheitsreserve überführt, das heißt, sie wurden vorläufig stillgelegt und stehen dem Strommarkt nur noch in Ausnahmesituationen zur Verfügung.

„Das operative Geschäft läuft nach Plan, und unsere finanzielle Basis ist sehr gut“, kommentierte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz. Die Aktionäre sollen daher wie angekündigt eine Dividende von 70 Cent je Aktie erhalten. Ein Jahr zuvor hatten Aktionäre insgesamt 1,50 Euro je Aktie bekommen, allerdings war darin eine Sonderdividende von einem Euro im Zusammenhang mit Rückzahlungen zu Unrecht gezahlter Atomsteuern enthalten. Für das neue Geschäftsjahr kündigte RWE eine Ausschüttung von 80 Cent je Aktie an.

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