Angebliche Gülen-Anhänger: Türkei ordnet Verhaftung von mehr als 200 Soldaten an

Auch drei Jahre nach dem Putschversuch hört das Misstrauen der türkischen Regierung in die eigenen Leute nicht auf. Die türkischen Behörden haben die Verhaftung von 223 Militärangehörigen wegen angeblicher Verbindungen zu dem gescheiterten Putsch von 2016 angeordnet.

Die betroffenen Soldaten aus Heer, Marine und Luftwaffe kommen aus 49 türkischen Provinzen und aus Nordzypern. Ihnen werden Verbindungen zu dem in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen.

Die islamisch-konservative Partei für Entwicklung und Gerechtigkeit (AKP) von Präsident Recep Tayyip Erdogan war lange mit der Bewegung des islamischen Predigers Gülen verbündet, bevor sich Gülen und Erdogan 2013 im Kampf um Posten und Macht überwarfen. Heute wirft Erdogan der religiösen Bruderschaft vor, die staatlichen Institutionen unterwandert und versucht zu haben, ihn bei dem Militärputsch im Juli 2016 zu stürzen. Gülen weist dies zurück.

Die Gülen-Bewegung gilt in der Türkei mittlerweile als Terrororganisation. Auf dieser Grundlage wurden seit dem Umsturzversuch mehr als 77.000 Menschen eingesperrt und etwa 150.000 Staatsbedienstete entlassen oder suspendiert. Auch hunderte Soldaten waren in den vergangenen Jahren darunter.

Kritiker werfen der Regierung vor, neben tatsächlichen Putschbeteiligten auch zahllose Unschuldige zu verfolgen und die Rechte der Beschuldigten nicht zu wahren.