Amazonasgebiet: Bolsonaro kündigt harte Strafen gegen Brandstifter an

Angesichts der lodernden Feuer im Amazonasgebiet und des internationalen Drucks kündigt Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ein hartes Durchgreifen gegen Brandstifter an. „Wir sind eine Regierung der Null-Toleranz-Politik gegenüber Kriminalität. Im Bereich der Umwelt ist das nicht anders“, sagte der Staatschef in einer Fernsehansprache. „Wir werden entschlossen handeln, um die Feuer unter Kontrolle zu bringen.“

Zuvor hatte er angekündigt, das Militär im Kampf gegen die Brände einzusetzen. „Der Schutz des Waldes ist unsere Pflicht. Wir sind uns dessen bewusst und arbeiten daran, die illegale Entwaldung und andere kriminelle Aktivitäten, die unser Amazonasgebiet gefährden, zu bekämpfen“, sagte Bolsonaro.

„20 Millionen Brasilianer warten auf wirtschaftliche Entwicklung“

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Insgesamt wurden mehr als 70.000 Brände registriert. Seit Januar nahmen die Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu. Experten zufolge legen meist Farmer die Feuer, um neue Weideflächen zu schaffen (mehr zur wirtschaftlichen Bedeutung der Amazonasregion lesen Sie hier).

Umweltschützer werfen Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Staatschef hat immer wieder klargemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichem Potenzial verbindet. Bolsonaro kokettiert damit, dass Gegner ihn wegen seiner Umweltpolitik als „Captain Chainsaw“ bezeichnet hätten, zu Deutsch etwa „Kapitän Kettensäge“: Allein im Juni wurden etwa 60 Prozent mehr Regenwald gerodet als im gleichen Monat des Vorjahres. (Was die Brände ökologisch bedeuten, lesen Sie hier.)

„Man muss bedenken, dass in dieser Region mehr als 20 Millionen Brasilianer leben, die seit Jahren auf eine wirtschaftliche Entwicklung warten, die dem dort vorhandenen Reichtum entspricht“, sagte Bolsonaro auch. „Dieser Bevölkerung muss die Möglichkeit gegeben werden, sich gemeinsam mit dem Rest des Landes zu entwickeln.“

In den Großstädten Rio de Janeiro und São Paulo gingen zahlreiche Menschen gegen die Umweltpolitik der Regierung auf die Straße. „Es gibt keine Entwicklung ohne Sauerstoff“, war auf einem Protestplakat zu lesen. Auf einem anderen stand: „Lasst das Grün nicht Grau werden.“

Trump spricht von „aufregenden Handelsbeziehungen“

Auch international geriet Bolsonaro in die Kritik. Der Amazonas ist der größte Regenwald der Welt und bindet große Mengen Kohlendioxid. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einer globalen Krise. Auf dem G7-Gipfel im französischen Biarritz soll das Thema am Wochenende ganz oben auf der Themenliste stehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet vom G7-Gipfel ein klares Signal für einen Stopp der verheerenden Waldbrände. „Wir werden uns damit beschäftigen, wie wir unterstützen und helfen können und einen klaren Aufruf dazu senden, dass alles getan werden muss, damit der Regenwald aufhört zu brennen“, sagte Merkel kurz vor ihrer Abreise. Macron habe Recht, wenn er sagt: „Unser Haus brennt.“ Da könne man nicht schweigen.

Bolsonaro verbat sich indes die Einmischung in innere Angelegenheiten seines Landes. Das ungewöhnlich trockene Wetter sei der Grund, warum es in diesem Jahr zu so vielen Bränden komme. „Waldbrände gibt es auf der ganzen Welt“, sagte der Präsident im Fernsehen. „Das kann nicht als Vorwand für mögliche internationale Sanktionen dienen.“

Irland und Frankreich drohen, das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten zu blockieren, sollte Brasilien nichts gegen die Waldbrände unternehmen. US-Präsident Donald Trump sprach dagegen von „aufregenden Handelsbeziehungen“ zu Brasilien. „Unsere Beziehung ist stark, stärker als je zuvor“, schrieb Trump bei Twitter.