72-Stunden-Woche: Für Alibaba-Gründer Jack Ma ist die Überstunden-Kultur ein Segen

„Kein Schlaf, kein Sex, kein Leben“: So umschrieb die „South China Morning Post“ Ende März das Leben chinesischer Fachkräfte in der Tech-Branche. Viele litten an Burn-out, noch ehe sie das 30. Lebensjahr vollendeten. Üblich sind dort Arbeitszeiten von neun bis neun, an sechs Tagen die Woche – in der Branche unter dem Code 996 bekannt.

Doch gegen diese ausbeuterische Arbeitskultur unter jungen IT-Spezialisten in dem Land regt sich inzwischen Widerstand – Grund für Jack Ma, dessen Alibaba-Konzern auch die „South China Morning Post“ gehört, seine Sicht zu dem Thema kundzutun.

„Ich persönlich denke, dass es ein großer Segen ist, 996 arbeiten zu können“, sagte der 54-jährige Milliardär und Unternehmensgründer laut einem über den Alibaba-Account bei WeChat geposteten Beitrag. „Viele Firmen und viele Menschen haben gar nicht die Möglichkeit, 996 zu arbeiten“, sagte er demnach. „Wenn Sie nicht 996 arbeiten, wenn Sie jung sind, wann können Sie jemals 996 arbeiten?“

Mas simple Formel: Mehr Zeit + mehr Energie = mehr Erfolg

Ma, ein ehemaliger Englischlehrer, der 1999 Alibaba mitbegründete und zu einem der reichsten Menschen Chinas geworden ist, sagte, dass er und seine früheren Mitarbeiter regelmäßig lange gearbeitet hätten. „In dieser Welt will jeder Erfolg, ein schönes Leben und will respektiert werden“, fügte Ma hinzu – und fuhr fort: „Lassen Sie mich jeden fragen: Wie können Sie den Erfolg erzielen, den Sie wollen, wenn Sie nicht mehr Zeit und Energie investieren als die anderen?“

Ma, der auch Mitglied der Kommunistischen Partei ist, verwies auf die Lage der Technologieindustrie, in der viele Leute ohne Arbeit sind oder in Unternehmen arbeiten, die von der Schließung bedroht sind. „Verglichen mit ihnen fühle ich mich bis heute glücklich, ich bereue sie (Zwölf-Stunden-Arbeitstage) nicht, ich würde diesen Teil von mir niemals ändern“, sagte Ma, der sich im September als Konzernchef von Alibaba zurückziehen will.

Aktivisten der Tech-Szene hatten diese Woche auf der Softwareentwicklungs-Plattform GitHub die Initiative „996.ICU“ gestartet, um auf die schlechten Arbeitsbedingungen im chinesischen Silicon Valley aufmerksam zu machen. Dabei wird Alibaba zu den Firmen gezählt, die die schlechtesten Arbeitsbedingungen haben.

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Chinas staatliche Zeitung „People’s Daily“ mahnte zuletzt zur Einhaltung der eigentlich auch in China üblichen Regelarbeitszeit von 40 Stunden pro Woche. Wer eine Unternehmenskultur schaffe, in der zu Überstunden ermutigt werde, könne der Wettbewerbsfähigkeit der Firma schaden und die Innovationsfähigkeit beeinträchtigen.

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