504 Megawatt in neun Monaten: Ausbau der Windenergie sinkt um 80 Prozent

Der Ausbau der Windenergie an Land ist in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres massiv eingebrochen. Bis Ende September wurden laut einer Analyse der Fachagentur Windenergie an Land lediglich 147 neue Anlagen mit einer Leistung von 504 Megawatt registriert.

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Heft 42/2019

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Das entspreche nur 18 Prozent der Leistung, die im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre im gleichen Zeitraum hinzugekommen sei, heißt es in der Untersuchung, die dem SPIEGEL vorliegt.

Ziehe man noch die 68 größeren Windräder ab, die im selben Zeitraum abgerissen wurden, komme man netto sogar nur auf 79 Anlagen mit einer Leistung von 419 Megawatt, schreibt Studienautor Jürgen Quentin.

Rechnerisch entspricht das nicht einmal der Leistung von zwei mittleren Kohlekraftwerken. Die Angaben seien vorläufig und könnten sich noch geringfügig ändern.

In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sowie im Saarland ist laut der Analyse 2019 noch überhaupt kein Windrad in Betrieb gegangen; in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Sachsen waren es je nur zwei.

Die Flaute dürfte sich fortsetzen: Denn auch die Genehmigungen für neue Anlagen sind laut der Analyse im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt um 47 Prozent eingebrochen. Insgesamt wurden demnach bis Ende September nur 304 neue Anlagen mit einer Leistung von 1162 Megawatt zugelassen.

Die Zahl der Genehmigungen ist zudem bereits seit 2017 stark rückläufig. Da von der Zulassung bis zum Bau einer Windturbine oft mehrere Jahre vergehen, dürfte der Ausbau der Windenergie auf Sicht eher niedrig bleiben.

Der stockende Ausbau steht im Widerspruch zu den Plänen der Bundesregierung, bis 2030 mindestens 65 Prozent des deutschen Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien zu decken – vor allem durch Windenergie an Land, der bislang wichtigsten Ökostromquelle.

Laut dem Klimaschutzprogramm, das am Mittwoch im Kabinett verabschiedet wurde, will die Bundesregierung die installierte Leistung der Windenergie bis 2030 um 14 bis 18 Gigawatt steigern. Mit der derzeitigen Ausbaustrategie ist das laut Quentin kaum zu schaffen.

Hintergrund

„Die Branche leidet an umständlichen, ausufernd bürokratischen Vorgaben in den Genehmigungsverfahren„, sagt der Energieexperte. „Zudem fehlt es an genügend Flächen für neue Windturbinen.“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wolle nun zwar einige Restriktionen für die Windenergie lockern. „Im Klimapaket stehen jedoch gleichzeitig neue Auflagen, die den Ausbau zusätzlich belasten“, sagt Quentin.

Laut Klimapaket müssen Windräder künftig in ganz Deutschland pauschal 1000 Meter Abstand zu Wohnsiedlungen einhalten – es sei denn, einzelne Länder und Kommunen legen explizit geringere Distanzen fest.

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